Vor einigen Monaten kaufte ich mir eine ST-20, um erst einmal herauszufinden, ob Gitarre spielen überhaupt etwas für mich ist oder nur ein Wunschtraum bleibt. Mit dem Modell war ich durchaus zufrieden und hätte nicht gedacht, dass man für 80 € überhaupt brauchbare Klänge aus einer Gitarre bekommt. Bereits damals wurde ich positiv überrascht. Lediglich die SSS-Bestückung passte nicht zu meinem Musikstil und nach den ersten Riffs beschloss ich, mir eine gute Strat mit HSS-Bestückung zuzulegen.
Ich informierte mich ausführlich über Hersteller, Modelle sowie deren Vor- und Nachteile. Mein Budget lag bei 1.000 €, ich war also nicht unbedingt auf der Suche nach dem günstigsten Modell. Im Fachhandel spielte ich Modelle von Fender, Squier, Gibson und Yamaha. Squier fiel dabei direkt raus, da ich beim gespielten Modell kaum einen Mehrwert gegenüber der ST-20 feststellen konnte. Yamaha war gut, wirkte auf mich allerdings eher oldschool.
Am Ende schwankte ich zwischen Fender und Gibson, konkret zwischen der Fender Player-Serie und einer Epiphone, da beide in meinem Budget lagen und mir von der Haptik her gefielen. Bei weiterer Recherche stellte ich jedoch fest, dass die Modern-Plus-Serie von Harley Benton häufig auf Augenhöhe mit deutlich teureren Modellen erwähnt wird – und das zum halben Preis.
Nach der Bestellung kann ich einige Bewertungen, die die Gitarre herabstufen, durchaus nachvollziehen. Die Brücke lag bei meiner Gitarre am Korpus auf und ich musste die Schrauben ein gutes Stück herausdrehen, um sie parallel zum Korpus zu bringen. Außerdem war die Saitenlage viel zu hoch.
Das waren allerdings auch die einzigen Punkte, die mir negativ aufgefallen sind, und sie haben mit der eigentlichen Qualität, dem Klang oder der Verarbeitung nichts zu tun.
Drei Handgriffe – Tremolo ins Lot bringen, Saitenlage einstellen und Gitarre stimmen – haben aufgrund der Floating Bridge fast zwei Stunden gedauert, bis alles perfekt war. Danach hatte ich allerdings eine Gitarre in der Hand, die meiner Meinung nach sowohl klanglich als auch haptisch mit der Player-Serie von Fender mithalten kann.
Diese Kritikpunkte betreffen ausschließlich die Grundeinstellung. Dinge, die man nach einem Saitenwechsel ohnehin kontrollieren und gegebenenfalls nachjustieren muss – egal, ob Fender oder Harley Benton auf der Kopfplatte steht und egal, ob die Gitarre 80 € oder 2.000 € kostet. Spätestens nach einiger Zeit hat man ohnehin die Wahl: Entweder man lernt, sein Instrument selbst zu pflegen und einzustellen, oder man geht bei jedem Saitenwechsel zum Gitarrenbauer.
**Verarbeitung und Optik**
Der matte Lack am Korpus ist bei meinem Modell perfekt. Keine Fehler, keine Kratzer. Die Maserung ist nicht ganz so durchsetzungsstark wie auf den Produktbildern, was mich persönlich eher freut.
Hals und Griffbrett runden die Optik perfekt ab. Und nein: Die Streifen am Hals sind keine Beizfehler, wie in manchen Rezensionen bemängelt wurde, sondern entstehen beim Rösten des Holzes und sind so gewollt.
Inlays und Bünde sind hervorragend verarbeitet und perfekt bündig. Auch Hals und Korpus sind spaltfrei miteinander verbunden. Die abgerundeten Kanten am Korpus sehen gut aus und sind beim Spielen angenehm, da nichts drückt oder einschneidet.
Der Hals liegt angenehm in der Hand und fühlt sich unglaublich geschmeidig an.
**Klang**
Bereits unverstärkt klingt die Gitarre angenehm und lässt sich somit auch abends spielen, ohne die Nachbarn zu nerven.
Verstärkt merkt man ein massives Upgrade gegenüber der ST-20. Die Pickups leisten hervorragende Arbeit und stehen für meine Ohren den Player-Strats von Fender in nichts nach. Squier und Yamaha spielt sie meiner Meinung nach an die Wand.
Das Problem mit dem wackelnden Humbucker der ersten Charge ist bei meinem Modell definitiv behoben. Der Humbucker hat zwar etwas Spiel, sitzt aber trotzdem bombenfest.
Die Gitarre bietet sowohl optisch als auch klanglich ein hohes Maß an Qualität und sollte die meisten Käufer zufriedenstellen.
**Lieferung**
Die Lieferung erfolgte wie gewohnt sehr schnell. Die Gitarre war zusätzlich zum Papier mit Styropor am Hals und Luftpolsterfolie an der Kopfplatte geschützt. Auch bei meiner ST-20 war die Verpackung bereits sehr gut.
Zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen: Der Innensechskantschlüssel zur Einstellung der Saitenlage lag lose zwischen Luftpolsterfolie und Vlies, weshalb ich ihn fast mit dem Verpackungsmaterial entsorgt hätte. Bei der ST-20 war er noch in einer Tüte am Hals befestigt.
Außerdem sieht man in älteren Rezensionen, dass zwei Tremolohebel beilagen. Bei meinem Modell war nur einer enthalten. Ob das ein Fehler oder inzwischen Standard ist, weiß ich nicht. Einen zweiten brauche ich allerdings auch nicht.
**Fazit**
Die Gitarre spielt meiner Meinung nach sowohl bei der Verarbeitung als auch beim Klang in einer Liga, die ich eher bei 1.200-€-Fender-Gitarren erwarten würde.
Ja, man muss bei der Harley Benton einiges selbst einstellen. Für mich ist das aber kein wirklicher Kritikpunkt. Wer ein Instrument wirklich beherrschen möchte, sollte meiner Meinung nach ohnehin lernen, grundlegende Einstellungen selbst vorzunehmen.
Ob man dafür zwei Stunden in Tutorials investiert, zum Gitarrenbauer geht oder die Werksseitigeinstellung nutzt, muss jeder selbst entscheiden.
Ich war bereits mit der ST-20 zufrieden und bin es jetzt auch mit der Modern Plus. Den Unterschied von rund 300 € zwischen beiden merkt man definitiv bei Material, Hardware und Verarbeitung.
Den Unterschied, der die zusätzlichen 800 € zur Fender Player-Serie rechtfertigen würde, merke ich persönlich dagegen nicht. Besonders interessant finde ich das, weil ein Kumpel von mir erst zwei Montagsmodelle von Fender erwischt hat, bevor er mit seinem aktuellen Modell zufrieden war.
Für mich ist die ST-Modern Plus daher eine Gitarre mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer bereit ist, sich mit den grundlegenden Einstellungen seines Instruments auseinanderzusetzen, bekommt hier meiner Meinung nach sehr viel Gitarre für sein Geld.